Diplom- und Dr.-Arbeiten


Diplom- und Doktor-Arbeiten zu vergeben!

Betreuung durch S. Hüttemeister

Alle angebotenen Themen sind im Prinzip als Diplom- oder als Doktorarbeiten denkbar. Für die Durchführung im Rahmen einer Diplomarbeit ist es entscheidend, dass der Abschluss nach einem Jahr möglich ist. Dies ist in allen Fällen dadurch gewährleistet, dass die wesentlichen Beobachtungsdaten bereits vorliegen.

Eine mögliche Ausnahme ist das 3. Thema (Gezeitenschweife), das ich daher und auch wegen seines Umfangs lieber als Doktorarbeit vergeben würde.Auch die anderen Themen bieten aber durchweg die Perspektive (s. der entsprechende Abschnitt der Themenbeschreibung) auf eine Erweiterung, die dann auch eigenen Messungen einschliesst und die für eine Doktorarbeit geeignet ist.

In allen Fällen sollte am Ende der Arbeit eine (oder mehrere) Publikation(en) in einer referierten Fachzeitschrift (typischerweise `Astronomy & Astrophysics') stehen.


Die Chemie von Molekülwolken im Galaktischen Zentrum

Thema und Aufgabenstellung: Das molekulare Gas in der Zentralregion unserer Milchstrasse (Galaktisches Zentrum, GZ) unterscheidet sich sowohl in seiner Physik als auch seiner Chemie drastisch von Gas in der Scheibe der Milchstrasse. Insbesondere gibt es im GZ Wolkenkerne, die, obwohl scheinbar keine massereichen Sterne in ihnen entstehen, sehr warm sind. Den Heizungsmechanismus könnten Schocks dominieren. Diese Wolken haben eine komplexe Chemie - man kann viele molekulare Spezies dort entdecken.
Es liegt eine am SEST der ESO in Chile gemessene Frequenz-Durchmusterung im 3mm und 2mm-Band von zwei Wolkenkernen vor, die ausgewertet werden soll. Der erste Schritt ist die Identifikation der Linien. Mit Modellen der Anregung und Häufigkeit kann man danach für manche Spezies die Temperatur, Säulendichte und Dichte bestimmen. Sind diese Parameter für alle Moleküle gleich oder ähnlich? Oder kommen die verschiedenen Spezies aus unterschiedlichen Bereichen der Wolke? Unterscheiden sich die beiden Wolkenkerne voneinander? Durch einen Vergleich mit bestehenden Durchmusterungen in Sternentstehungsgebieten im GZ und in der galaktischen Scheibe sollen schliesslich Unterschiede zwischen den verschiedenen Typen der Heizung (durch UV-Strahlung junger Sterne oder durch Schocks) in der Chemie herausgearbeitet werden.

Perspektive: Diese Arbeit sollte auch für einen Chemiker interessant sein! Sie eröffnet die Möglichkeit z.B. mit Kollegen von der Universität Köln oder aus Grossbrittanien in das Gebiet der chemischen Modellierung von Molekülwolken einzusteigen - welche Spezies erwartet man in Schockszenarien mit überduchschnittlicher Häfigkeit? Entsprechen die Beobachtungen den Erwartungen? Auf der beobachtungsseite sollte die Durchmusterung in das 1mm-Band erweitert werden: Da die Wolken warm sind, sind dort besonders reiche Spektren zu erwarten. Möglicherweise sind sogar Messungen im Submm-Bereich des Spektrums sinnvoll.

Molekulares Gas im Kern des
Starburst-Mergers Markarian 297

Thema und Aufgabenstellung: Markarian (Mrk) 297 ist eine relativ weit entfernte (~63 Mpc) Starburst Galaxie, d.h. ein Objekt, in dem sich `im Moment' `explosionsartig' Sterne bilden. Wie bei vielen anderen Galaxien ist dieser Starburst auch bei Mrk 297 durch die Verschmelzung zweier Galaxien ausgelöst worden - man kann die beiden Ursprungsgalaxien sogar noch erkennen. Etwas unterscheidet Mrk 297 aber von vielen anderen Starbursts: Die Sternentstehung findet nicht konzentriert auf den innersten Bereich statt, sondern ist über mehrere Kiloparsec ausgedehnt. Mrk 297 ist sogar der Prototyp der sg. `Clumpy Irregular Galaxies', da sie über ihre ganze Scheibe verteilt mehr als 100 riesige HII-Regionen, Gebiete intensiver Sternentstehung, enthält.
Optisches Bild von Mrk 297
aus dem DSS
Es liegt ein mit dem Plateau de Pure Interferometer erstellter Datensatz der Verteilung des Kohlenmonoxids CO (und damit des molekularen Wasserstoffs, Futter für den Starburst) vor. Dieser Datensatz soll sorgfältig ausgewertet werden - dabei werden die interessanten und zukunftsträchtigsten Methoden der modernen Radioastronomie, die der mm-Interferometrie, erlernt. Mit der so erstellten Karte kann die Menge und Verteilung des molekularen Gases studiert werden, und ebenfalls seine Kinematik untersucht werden.WEelche beziehungen ergeben sich zum optischen Aussehen der Galaxie und zu ihren Sternentstehungseigenschaften? Es liegen auch Daten (von einem Submm-Einzelteleskop, dem Heinrich-Hertz-Teleskop (HHT) vor, die den Beginn einer Untersuchung anderer Übergänge und Isotopomere des CO darstellen. Mit Hilfe dieser Daten soll begonnen werden, auch die physikalischen Eigenschaften (Dichte und Temperatur) des emittierendes Gases zu untersuchen.

Perspektive: Auf der Seite der Beobachtungen sollten weitere Linien von CO auch in Positionen, die nicht zentral sind, untersucht werden. Ausserdem ist es sehr interessant, andere Moleküle zunächst mit Einzelteleskopen zu studieren: HCN, HNC und CN etwa sind alle `Tracer' dichten Gases, aber in ihrer relativen Häfigkeit in Starburst-Systemen durchaus sehr verschieden. So kann man die innere Struktur des Bursts untersuchen und feststellen, ob es unterschiedliche `Klassen' von Starbursts gibt.

In der Tat gehört Mrk 297 zu einer Gruppe von Starbursts, denen zur Zeit mein besonderes Interesse gilt: den Mergern mit mittlerer Helligkeit (siehe auch meine `Forschungsseite' . Diese Gruppe scheint sich oft durch ausgedehnte Starbursts auszuzeichnen - ist das Gas dort grundsätzlich weniger dicht? Ist die Konzentration ins Zentrum weniger effizient? Wenn ja, warum ist das so?

Nähere Informationen zu den anderen Themen (sie sind alle spannend!) gibt es in Kürze - kommen Sie aber vorher schon bei mir vorbei oder schreiben Sie mir eine Mail, wenn Sie eines der Themen besonders ansprechen könnte!

Eine gross-skalige Suche nach dichtem Gas in Gezeitenschweifen verschmelzender Galaxien



Die wohlgeordnete Spiralgalaxie M 51:
Eigenschaften dichter Gaswolken in Abhängigkeit von ihrer Position.


NGC 253 im Sculptor, der Prototyp einer Starburst Galaxie:
Was verraten verschiedene Tracermoleküle über die physikalischen Bedingungen in ihrem Zentrum?



Interessiert? Ich freue mich über Mail von Interessenten oder einen direkten Besuch bei mir.


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